Theorie und Praxis bei AquaRichtig
oder
die aquaristische Inkarnation des Flacherdlers

Bei AquaRichtig scheint man eine interessante Auffassung zum Verhältnis von Praxis (lies: Daten, Empirie) und Theorie (lies: eigenes Verständnis, mentales Modell, subjektive Überzeugung) zu haben.

Diese Auffassung manifestiert sich bei AquaRichtig beispielsweise in der Ansicht, dass viele Wasserpflanzen und andere Pflanzenarten, für die ein auf Ammonium adaptierter Stickstoffstoffwechsel praktisch (lies: empirisch) nachgewiesen ist, Ammonium gar nicht als Stickstoffquelle bevorzugen können, weil das theoretisch (lies: im aquarichtigschen mentalen Modell, der subjektiven Überzeugung) gar nicht sein kann. Die Präferenz dieser Pflanzenarten für Ammonium als Stickstoffquelle ist die Folge der physikalisch-chemischen Bedingungen an ihrem Standort. Ammonium-adaptiere Pflanzenarten leben regelmäßig an Standorten, an denen Bedingungen vorliegen, welche die Nitrfikation behindern. Diese Faktoren sind Sauerstoffarmut, niedriger pH-Wert, Hitze, Kälte oder Trockenheit. Deshalb ist Ammonium die dominierende anorganische Stickstoff-Verbindung an solchen Standorten.

AquaRichtigs gesammelter Unsinn über…
Spaltöffnungen bei Wasserpflanzen

Wie man den Äußerungen an verschiedenen Stellen (u. a. in [1];[2];[3];[4]) entnehmen kann, ist man bei AquaRichtig der Auffassung, dass Wasserpflanzen keine Spaltöffnungen besitzen.

Mitlerweile hat man bei AquaRichtig wohl Einsicht gewonnen besteht aber darauf, dass man mit dem Begriff „Wasserpflanzen“ ausschließlich Unterwasserpflanzen meint und immer schon gemeint hat. Mag sein. Nur hat man das erst sehr spät zum Ausdruck gebracht. Bei einem bloßen sematischen Missverstehen sollte es in Anbetracht der vorgetragenen Argumenten schnell als Streit um des Kaisers Bart erkannt worden und entsprechend angemerkt worden sein. Es mag also von der intendierten Aussage her ein Streit um des Kaisers Bart sein. Meinerseits war jedenfalls von beginn an ausdrücklich vorgetragen worden, dass dem Begriff „Wasserpflanzen“ nicht ausschließlich Unterwasserpflanzen gemeint sin, wi8e die Verweise auf Schwimmblattpflanzen wie Seerosen zeigen.

Bevorzugen Wasserpflanzen Nitrat oder Ammonium als Stickstoffquelle?
Oder
Zitierwettstreit mit AquaRichtig

AquaRichtig beharrt im Beitrag Dennis Furmanek www.aquarichtiger.de Reduzierung von Ammonium zu Nitrat weiter auf der Behauptung, Pflanzen würden Nitrat über Ammonium als Stickstoffquelle bevorzugen. Für die gesamte Pflanzenwelt mag dies global betrachtet auch so stehen können. Da wir uns aber im Zusammenhang Aquaristik bewegen, geht es letztlich um Aquarienpflanzen beziehungsweise Wasserpflanzen. Die Frage muss daher auch im Hinblick auf diesen Zusammenhang formuliert und erörtert werden. Nicht zuletzt steht auch noch die Frage der Stickstoff-Darreichungsform als Nitrat, Ammonium oder Harnstoff zur Düngung von Aquarienpflanzen im Raum.

AquaRichtigs Unsinn über…
Reduzierung von Ammonium zu Nitrat als wichtiger Bestandteil vieler Biosynthesen

Bei AquaRichtig faselt man nicht zum ersten mal etwas davon, dass die Reduzierung von Ammonium zu Nitrat durchaus ihren Sinn habe, denn Nitrat ist ein wichtiger Bestandteil vieler Biosynthesen[1]. Auch in der quadzillionsten Wiederholung werden diese Behauptungen aber nicht richtiger.

Oxidation, Reduktion und Redoxreaktion

Zunächst ein paar wichtige chemische Grundlagen:
Eine Oxidation ist eine chemische Reaktion, bei der ein Atom Elektronen abgibt. Seine Oxidationszahl wird dabei um die Zahl der abgegebenen Elektronen erhöht. Eine Reduktion ist eine chemische Reaktion, bei der ein Atom Elektronen aufnimmt. Seine Oxidationszahl sinkt dabei um die Zahl der aufgenommen Elektronen. Da beide Reaktionen zeitgleich stattfinden müssen, wird auch von Redoxreaktionen gesprochen.

AquaRichtigs Unsinn über…
Wurzeln von Stengelpflanzen

Wie bekannt mäandert man bei AquaRichtig von einer steilen Behauptung zur nächsten (Gish-Gallop). Neuerdings besitzen Stengelpflanzen wie Cabomba spp. keine Wurzeln.

„Wollte man Furmanek glauben, so würde sich noch die Frage stellen wieso dann Stengel-Pflanzen, wie Cabomba usw., im Aquarium überhaupt existieren könnten. Keine Wurzeln, außer gelegentlichen Luftwurzeln. Ach ja, die verwenden dann Furmaneks Spaltöffnungen, oder was?“.

[Dennis Furmanek www.aquarichtiger.de AquaRichtigs gesammelter Unsinn über Wasserpflanzen]

Wieder bleibt unklar, worauf man hier bei AquaRichtig überhaupt abstellen will. Haarnixen wie Cabomba caroliniana besitzen aber Wurzeln, auch wenn sie Stengelpflanzen sind, wie unter anderem aus dem Portrait das AERF eindeutig hervorgeht:

AquaRichtig und Nitrat als Botenstoff

AquaRichtig hat mehrfach vorgebracht, Nitrat sei essentiell für Pflanzen, weil es ein wichtiger Botenstoff (wofür?) oder Grundlage für wichtige Botenstoffe (welche?) sei, die Prozesse in der Pflanze (welche?) steuern würden.

  • „Nitrat ist essentiell für Pflanzen und kann weder durch Ammonium, noch durch Urea als Ersatz für wichtige Funktionen dienen.“[1]

  • „Nitrat und nur Nitrat ist die Grundlage für wichtige Botenstoffe zur Funktion des pflanzlichen Organismus. […] Botaniker behaupten, […] dass Pflanzen einen Anionen-Kanal haben[,] der eine wichtige sensorische Schnittstelle als Regulator durch Nitrat für viele Abläufe ist.“[2]

  • „Wieder das Beispiel mit dem Nitrat, welches für Pflanzen unerlässlich als Botenstoff ist.“[3]

AquaRichtigs gesammelter Unsinn über…
die Nährstoffaufnahme von Wasserpflanzen – Wurzeln oder nicht?

Ein weiteres Steckenfperd von AquaRichtig ist die Behauptung, Wasserpflanzen nähmen keine Nährstoffe über ihre Wurzeln auf. Diese dienten lediglich der Verankerung im Sediment und im Ausnahmefall der Speicherung von Reservestoffen. Wie auch zuvor in anderen Fällen steht die Realität im Widerspruch zur steilen These von AquaRichtig und ist weitaus differenzierter als man dies dort gern hätte.

Denn aus zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen geht hervor, dass selbst im Sediment wurzelnde Tauchblattpflanzen wie Vallisneria-, Potamogeton– oder Elodea-Arten mit den Wurzeln Nährsalze (insbesondere Phosphor, Stickstoff [in Form von Ammonium!] und Eisen) aus dem Sediment aufnehmen. So fasst Ellenberg (2010) folgendermaßen zusammen:

AquaRichtigs Irrungen und Wirrungen zu Wasserpflanzen

Verschiedendste Äußerungen lassen auch zum Begriff „Wasserpflanze“ und den biologischen Eigenschaften von Wasserpflanzen ein recht eigenwilliges Verständnis bei AquaRichtig erkennen.

Bevor wir uns mit den steilen Thesen AquaRichtigs zu Wasserpflanzen beschäftigen, ist daher zu klären, was eine Wasserpflanze ist. Bei AquaRichtig hat man dazu offenbar wieder recht eigenwillige Ansichten zur Semantik verschiedener Begriffe aus diesem Kontext. Dabei versteht man bei AquaRichtig unter dem Begriff Wasserpflanze offenbar ausschließlich aquatische Tauchblattpflanzen wie beispielsweise die Wasserpest. Bereits Schwimmblattpflanzen wie die Seerosengewächse sind bei AquaRichtig aus der Gesamtschau heraus betrachtet damit bereits keine Wasserpflanzen.

AquaRichtig und die pflanzenphysiologischen Erkenntnisse Julius Sachs'

AquaRichtig vertritt im Artikel „Nitrat ist wichtig für Pflanzen, nicht nur im im Aquarium“ (oder: Nitrat ist für Pflanzen essentiell und kann nicht durch Ammonium ersetzt werden) die steile These, dass Nitrat essentiell für Pflanzen sei.

Offenbar ist damit gemeint, dass Nitrat nicht durch andere Stickstoffverbindungen als Stickstoffquelle ersetzt werden könne. Um diese These zu untermauern, zitiert AquaRichtig eine Darstellung aus zweiter Hand über die pflanzenphysiologischen Versuche Julius Sachs von den Internetseiten der Universität Hamburg:

AquaRichtig und (der) Strasburger

Bei AquaRichtig bestehen offenbar Schwierigkeiten dabei, zwischen dem Botaniker Eduard Adolf Strasburger und dem ihm zu Ehren benannten Lehrbuch der Botanik, kurz dem „Strasburger“, zu unterscheiden. Im Zusammenspiel verschiedener Formulierungen ergibt sich daher eine semantische Vermengung, die den Sinngehalt der Gesamtaussage in irreführender Weise verändert. Ausgangspunkt ist eine aus zweiter Hand referierte Textstelle im Lehrbuch der Botanik: