AquaRichtigs Unsinn über …
Grundwasser und Trinkwasser

Bei AquaRichtig hat man offenbar Schwierigkeiten damit, zwischen Grundwasser und Trinkwasser zu unterschieden. Die Behauptung, der Grenzwert für Nitrat und andere Parameter im Trinkwasser sei immer weiter angehoben worden und würde vielerorts dennoch überschritten, soll mit dem Problem der Nitratbelastung des Grundwassers begründet werden. Dass Trinkwasser und Grundwasser zwei verschiedene Sachverhalte sind, scheint dabei nicht weiter von Belang zu sein. Ich sage es ja, Textkompetenz ist keine aquarichtigsche Stärke.

Es mag zwar zutreffen, dass die Nitratbelastung des Grundwassers sich auch indirekt auf die Trinkwasserqualität auswirkt, weil zur Einhaltung des gesetzlichen Grenzwertes ein erhöhter Aufbereitungsaufwand erforderlich ist, wenn derart belastetes Grundwasser zur Trinkwassergewinnung genutzt wird. Damit sind auch höhere Kosten verbunden. Dennoch kann nicht von der Nitrat-Konzentration im Grundwasser darauf geschlossen werden, dass diese im Trinkwasser dann ebenfalls so hoch ist.

Die folgende Passage aus diesem Beitrag demonstriert das Problem von AquaRichtig plakativ [alle Hervorhebungen durch den Autor]:

„Unser Trinkwasser ist nach Malta in der EU das am meisten mit Nitrat belastete Trinkwasser überhaupt.[…]“.

AquaRichtig sucht diese Behauptung mit dem anschließenden Zitat aus dem Beitrag Kann man Leitungswasser in Deutschland bedenkenlos trinken? zu belegen:

„Schon jetzt hat Deutschland (neben Malta) bei Nitrat im Grundwasser die zweithöchste Belastung in der EU[…]“.

Der unmittelbar folgende Absatz, den AquaRichtig aber wohlweißlich nicht mehr zitiert, stellt die Sache gleich wieder deutlich anders dar und bringt sie auch auf den entscheidenden Punkt:

„Der hohe Gehalt von Nitrat im Grundwasser ist einerseits extrem schlecht für die Umwelt. Es kostet uns aber viel Geld: Wasseraufbereitungsanlagen müssen es aufwändig wieder herauszufiltern, damit wir am Ende kein Nitrat im Trinkwasser haben und es bedenkenlos trinken können“.

AquaRichtig führt mit der Vermengung beider Sachverhalte fort:

„Natürlich ist das Wasser nicht überall derart mit Nitrat belastet. Es gibt aber Regionen wo die 50 mg/l um das doppelte überschritten werden [denknotwendig im Trinkwasser!] weshalb nicht nur Aquarianer zu unseren Kunden gehören.“.

AquaRichtig sucht diese Behauptung mit der folgenden Passage aus diesem Beitrag der SZ zu belegen:

„Heute steigt das gesundheitsschädliche Nitrat vielerorts wieder an im oberflächennahen Grundwasser. Zum Beispiel im Wasserwerk Großenkneten, mitten in Niedersachsen: Die 16 Messstellen registrierten vergangenes Jahr im Schnitt 93 Milligramm Nitrat pro Liter. Das ist fast doppelt so hoch wie der Grenzwert [wohlgemerkt: im Trinkwasser], der bei 50 liegt“.

„Gerade Gesten, am 25.07.2019 wurde in den Nachrichten berichtet, dass die EU wieder ein Verfahren gegen Deutschland wegen zu hoher Nitratbelastung [wohlgemerkt, im Grundwasser!] einleitet.Mit Anfrohung von 800.000 Euro pro Tag über die Frist hinaus“.

Da sich diese aber alle auf die Nitrat-Belastung des Grundwassers beziehen, tragen sie die aquarichtigsche Behauptung nicht. Man könnte jetzt zwar behaupten, die Wasserwerke würden das Wasser mit besagten 93 mg/l Nitrat als Trinkwasser einspeisen. Die unklare Formulierung in der Quelle, die diese Vermutung dem Wortlaut nach zulässt, reicht als stichhaltiger Beleg einer derart außergewöhnlichen Behauptung aber nicht aus.

Die Trinkwasserverordnung lässt zwar grundsätzlich die Möglichkeit zu, in besonderen Ausnahmefällen eine befristete Überschreitung der chemischen Grenzwerte im Trinkwasser, wie den Nitrat-Gehalt, eine Ausnahmegenehmigung durch das zuständige Gesundheitsamt zu erteilen. Diese Ausnahmenregelungen sind aber genau ebensolche. Siehe dazu auch die FAQs zu Nitrat im Grund- und Trinkwasser des Umweltbundesamtes.

Auch der Verweis auf die Belastung von insbesondere Oberflächenwässern und daraus gewonnenem Trinkwasser mit, unter anderem Medikamentenrückständen, trägt die aquarichtigsche Behauptung nicht. Das ist schon deshalb der Fall, weil zuerst überhaupt Grenzwerte für die Substanzen festgelegt werden müssten, die dann immer höher gesetzt werden könnten. Das ist aber tatsächlich vielfach nicht der Fall, es gibt keine Grenzwerte für viele der monierten Substanzen, die angeblich immer höher gesetzt würden, um die angeblich immer schlechter werdende Trinkwasserqualität wie angedeutet zu kaschieren.

In diesem Zusammenhang interessant anzumerken ist, dass man bei AquaRichtig den Vorteil der Umkehrosmose-Technik, auch Pestizide und Medikamentenrückstände herauszufiltern, mit der Behauptung vom Tisch wischt, diese dürften im Trinkwasser gar nicht enthalten sein:

„Vollentsalzung entfernt keine Pestizide wie die Osmose-Anlage ist eines der Hauptargumente. Das Gegenargument, dass Trinkwasser gesetzlich vorgeschrieben keine Pesizide enthalten darf wird unter den Tisch gekehrt“.

[Vollentsalzer oder Osmose-Anlage – Pro und Contra]

AquaRichtigs Unsinn über… Süß und Grundwasser

AquaRichtig ist also der Ansicht, ich würde im obigen Beitrag Süßwasser und Grundwasser verwechseln und unzulässig vermengen. Wie üblich gibt es keinen tatsächlichen Anhaltpunkt, mit dem diese Behauptung begründet wird. Sowohl bei Trinkwasser nach der Trinkwasserverordnung als auch dem hier gegenständlichen Grundwasser handelt es sich de facto um Süßwasser. Zwar gibt es auch Sole-Grundwässer und Aquifere sowie mit solchen verbundene Quellen, also salzige Grundwässer. Auf einem solchen beruhte der Reichtum der Stadt Lüneburg im Mittelalter. Eine Häufung salzhaltiger Quellen findet sich im Bereich geologischer Störungszonen wie im Teutobuger Wald. Diese werden aber regelmäßig nicht zur Gewinnung von Trinkwasser eingesetzt und sind hier auch nicht gegenständlich.
Die gesamte aquarichtigsche Replik bekräftigt nur meinen Eindruck, dass man hier mit der deutschen Schriftsprache auf Kriegsfuß steht und dies ursächlich für den verzapften Unsinn ist.

Belegstellen, weiterführende Literatur und externe Links

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