AquaRichtigs Unsinn über …
Wasserhärte, Larvenentwicklung und Schlupfrate

Bei AquaRichtig hat man auch interessante Ansichten zur Auswirkung der Wasserhärte (oder des „osmotischen Druck des Wassers“) auf Larvenentwicklung und Schlupfrate:

„Durch das harte Wasser können die Larven nicht schlüpfen. Die Calcium und Magnesium Ionen verhärten die Eihülle“

Dies ist ein erneutes Beispiel, wo man bei AquaRichtig einen Sachverhalt verzerrt wiedergibt, indem man ihn unzulässig vereinfacht, verallgemeinert und nur einen Teilaspekt darstellt. In der kürze der Zeit vorerst nur ein kurzes, zusammenfassendes Statement zur Orientierung. Calcium und Magnesium beziehungsweise auch das Verhältnis von Calcium zu Magnesium spielen eine wichtige Rolle bei der Befruchtung sowie der Ei- und Larvenentwicklung bei Knochenfischen. Dies gilt aber nicht für alle Arten gleichermaßen.

Verminderte Schlupfraten im Zusammenhang mit hartem Wasser sind aber nicht zwingend darauf zurückzuführen, dass die Larven nicht schlüpfen können. Also eine Befruchtung stattfindet, die Larven sich normal entwickeln, der Schlupf aber verhindert wird, weil sich die Eihülle durch das harte Wasser verhärtet hat und die Larven diese nicht durchbrechen können. Es findet mitunter erst gar keine Befruchtung und damit auch keine Entwicklung von Larven statt, die überhaupt schlüpfen könnten.

Auch beim Quellprozess der Eier und der Verhärtung der Eihülle (Chorion) ist mitunter auch Calcium von Bedeutung. Auch das trifft aber auf manche Fischarten zu, auf andere wiederum nicht. Aber wahrscheinlich läuft es bei AquaRichtig wider darauf hinaus, dass die geäußerten Behauptungen nur für die jenige Teilmenge gilt, auf welche sie auch zutrifft und auch nur diese implizit gemeint ist. Das Chorion ist aufgrund des großen Konzentrationsunterschiedes des Eis zum Wasser erheblichen Kräften ausgesetzt, denen es widerstehen muss. Je weicher und ionenärmer das umgebende Wasser, desto größer ist der Konzentrationsunterschied zum Ei. Je größer der Konzentrationsunterschied, desto höher ist der osmotische Druck, dem das Chorion widerstehen muss. Die Verhärtung der Eihülle ist daher ein notwendiger Schritt, um diesen Kräften widerstehen zu können.

Hartes Wasser kann bedingt durch die darin enthaltenen Calcium-Ionen auch eine Wirkung auf Interaktion von Mikropyle und Spermium haben. Die Mikropyle ist die Struktur in der Wand der Eizelle von Knochenfischen, durch die das Spermium in diese eindringt. Calcium-Ionen spiele einige wichtige Rolle bei der Interaktion von Mikropyle und Spermium. Hohe Calcium-Kontentrationen im Wasser können diese Interaktion stören und die Befruchtungsrate vermindern. Ein weiterer Aspekt ist die Wirkung der Calcium-Ionen im Wasser auf die Beweglichkeit oder Motilität der Spermien. Auch diese Effekte sind aber artspezifisch zu betrachten und können nicht verallgemeinert werden. Bei manchen Arten findet das befruchtende Spermium seinen Weg allein durch die Oberflächenstruktur der Mikropale, bei anderen existert ein chemisches Leitsystem, das dem Spermium den Weg weist.

In der Aquaristik dreht sich die Diskussion insbesondere um die Auswirkungen harten Wassers auf die Vermehrung von sogenannten Weichwasserfischen im Aquarium. Dabei wird regelmäßig beobachtet, das in zu hartem Wasser der Schlupferfolg meist ganz ausbleibt. Pauschalieren lässt sich dies aber nicht, weil es auch zahlreiche Arten gibt, auf die dies offenbar nicht zutrifft. Es gibt zahlreiche Fischarten, die zwar in der Natur in weichem Wasser leben, im Aquarium aber ohne großen Aufwand auch in mittelhartem und hartem Wasser nachgezogen werden können. Für andere Fischarten liegen diametrale Ergebnisse vor, die eine verminderte Schlupfrate bei zu weichem beziehungsweise ionenarmem Wasser belegen. Hinzu kommt die Frage, in wie weit auch andere (chemische und weitere) Faktoren ursächlich für den ausbleibenden Fortpflanzungserfolg sind.

Belegstellen, weiterführende Literatur und externe Links

  • Kunz-Ramsay, Y. (2013): Developmental Biology of Teleost Fishes

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