AquaRichtigs gesammelter Unsinn über …
Salzstress bei tropischen Süßwasserfischen

Bei AquaRichtig bezeichnet man offenbar jedes Wasser jenseits extremen Weichwassers als Salzlake und behauptet, dass Süßwasserfische aus tropischen Gebieten darin unter Salzstress stünden:

„Ob man Fische aus tropischen Gebieten in Salzlake halten oder gar nachzüchten (was nur in seltensten Fällen überhaupt gelingt) sagt nichts darüber aus ob diese unter ständigem Salzstress stehen oder nicht. Wir behaupten doch und viele Fachautoren sind ganz genau der gleichen Meinung!“

Vollentsalzer Kati und Ani je 2,0 Liter Harz (9000 Härteliter)

Für Fischarten aus Weichwasser, die aber nicht aus tropischen Gebieten stammen, trifft dies dann offenbar nicht zu. Behaupten ist auch das treffende Verb, denn begründet oder gar belegt (beispielsweise durch konkrete Nennung der Fachautoren und ihrer einschlägigen Äußerungen) wird die Aussage nicht. Wie üblich, bei AquaRichtig. Weiterhin behauptet AquaRichtig, es käme dadurch zu Schäden im Zellsystem solcher Fische:

„Das Zellsystem von tropischen Fischen […] wird bei einer Gesamthärte von über 10° auf Dauer geschädigt“.

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Um sich sinnvoll mit der These auseinandersetzen zu können, müsste AquaRichtig zuerst definieren:

  • Was man unter Salzstress bei Fischen versteht
  • Welche Stoffe und Konzentrationen dabei gemeint sind
  • Durch welche physiologischen Mechanismen dieser entsteht
  • Wie er sich physiologisch auswirkt
  • Woran man ihn physiologisch erkennt

Tatsächlich wird der Begriff „Salzstress“ in der Literatur praktisch ausschließlich im Zusammenhang mit Pflanzen verwendet. Er bezeichnet die Auswirkungen höherer Salzkonzentrationen (insbesondere im Boden) auf (terrestrische) Pflanzen, sowie infolge die Ausbildung standorttypischer Pflanzengesellschaften auf solchen salzhaltigen Böden, beispielsweise auf Salzwiesen. Selbst wenn man auf den Begriff „Salinität“ abstellen will, so meint und unterscheidet dieser erheblich größere Unterschiede im Salzgehalt, als sie von AquaRichtig thematisiert werden. Der Begriff Salzstress ist vielleicht angebracht, wenn ein Süßwasserfisch in Brackwasser oder Seewasser gesetzt wird. Also einem Wasser mit einem Salzgehalt, der um Zehnerpotenzen höher und zudem mitunter auch schon zum Fisch hyperosmotisch ist, als die Größenordnung, die man bei AquaRichtig thematisiert. Beim Unterschied eines Wassers mit beispielsweise 2°d GH zu einem Wasser mit 20°d GH von Salzstress zu sprechen, ist abwegig.

AquaRichtig benutzt also auch hier wieder einen Fachbegriff, der einen anderen, aber ganz bestimmten Sachverhalt bezeichnet und aus einem gänzlich anderen Kontext stammt, um einen gänzlich anderen Sachverhalt zu bezeichnen, der inhaltlich lediglich entfernt mit diesem vergleichbar ist. Zumindest geht es in beiden Fällen im Kern um Salzkonzentrationen und deren Auswirkungen auf Lebewesen.

In der Wirklichkeit sieht die Angelegenheit aber wieder ganz anders aus, als man sie bei AquaRichtig wahrhaben will. So schreibt Hetz (2005):

„Wissenschaftlich betrachtet spricht demnach nichts dagegen, Fische, die ursprünglich aus Weichwassergebieten stammen, auch in deutlich ionenreicherem Wasser zu halten, falls es auch mit anderen Möglichkeiten als durch Reduktion der Ionenkonzentration, niedrigen pH-Werten und Zugabe von Huminsäuren möglich ist, die Belastung durch Keime und Abbauprodukte gering zu halten.“

[VDA-online, erstveröffentlicht in DATZ 09/2005: Schwarzwasser – aus der Sicht der Fische]

Herr Hetz gehört dann vermutlich auch zu meinen Marionetten. Er äußerst sich schließlich im entscheidenden Kern auch in einem anderen Beitrag identisch:

„Die Möglichkeit und die Regulation der aktiven Aufnahme von Ionen gegen einen extrem großen Gradienten scheint also Schwarzwasserbewohner auszuzeichnen. Wir müssen dabei aber bedenken, dass diese bessere Regulationsfähigkeit von Schwarzwasserbewohnern aus physiologischer Sicht einen deutlichen Vorteil (keinen Nachteil!) in ionenarmen Gewässertypen darstellt, der hingegen in ionenreicheren Gewässern kein Nachteil ist!“

[native-fish.org: Schwarzwasser]

Die Faktenlage stellt auch die aquarichtigsche Ansicht, tropische Fische in härterem Wasser zu halten, sei grundsätzlich tierschutzwidrig, in einem anderen Licht dar.

Belegstellen, weiterführende Literatur und externe Links

  • Hetz, S. K. (2005): Schwarzwasser – aus der Sicht der Fische. In: Die Aquarien- und Terrarienzeitschrift 9/2005; S.24-29

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