AquaRichtig über
Furmanek, den Wendehals

Bei AquaRichtig hält man es offenbar für eine Tugend, seine Ansichten wider besseres Wissen beizubehalten und diese irrigen Ansichten bis aufs Blut mit allen eristischen Mitteln zu verteidigen. Was von einem hochgradig ehrbaren und aufrichtigen Charakter zeugt.

Man stelle sich vor, man würde der Wissenschaft vorwerfen, heute vielfach andere Dinge zu behaupten, also noch vor 100 Jahren. Wer so denkt, hat weder das wissenschaftliche Prinzip noch den Zweck von Wissenschaft überhaupt verstanden.

Es stimmt, dass ich vor 15, 20 Jahren zu verschiedenen Fragen der Aquaristik noch andere Ansichten vertreten habe. So war ich dereinst der Ansicht, man müsse Fische im Aquarium in einem Wasser halten, das im Chemismus dem des natürlichen Lebensraums zumindest möglichst nahe kommt. Aufgrund der mitunter hitzig geführten Diskussionen über das Thema – unter anderem in der Newsgroup DRTA –, habe ich mich aber eingehend mit dem Problem befasst. Dabei habe ich erkennen müssen, dass sowohl die aquaristische Praxis als auch wissenschaftliche Erkenntnisse diese Ansicht zumindest in der vertretenen Dogmatik und Pauschalität unhaltbar machen.

Im Gegensatz zu AquaRichtig habe ich meine Ansichten also an die geänderte Erkenntnis- und Kenntnislage angepasst. Bei AquaRichtig hält man das offenbar für eine Verfehlung. Diese Haltung spiegelt sich entsprechend in den aquarichtigschen Beiträgen und der Art der Argumentationsführung darin wieder. AquaRichtig halte ich daher für wissens- und wissenschaftsfeindlich.

Zur konkret gegenständlichen Frage, was artgerechte Haltung (insbesondere von Süßwasserfischen im Aquarium) bedeutet: Ich lehne die verbreitete Ansicht, dass die artgerechte Haltung von Süßwasserfischen im Aquarium nur dann möglich ist, wenn die Bedingungen im natürlichen Lebensraum soweit wie möglich kopiert werden, ab. Dies begründet sich zum einen aus grundlegenden Prinzipien der (Aut)ökologie als auch aus Erkenntnissen der Fischphysiologie sowie nicht zuletzt aus den Erfahrungen in der aquaristischen Praixs. Denn dies würde konsequent zuende gedacht auch bedeuteten, dass es keine Probleme mit (invasiven) Neobiota geben kann. Außerhalb des angestammten Lebensraums kann es keinen weiteren Lebenssraum geben, der in allen Faktoren identisch mit diesem ist. Was aber anhand der restriktiven Definition von arterechter Haltung denknotwendig erforderlich ist. Wie kommt es aber zu Massenvermehrung in einem Lebensraum, der qua Definition nicht artgerecht ist?

Die Wirklichkeit führt die restriktive Auslegung des Prädikats „artgercht“ ad absurdum. Jedes Lebewesen hat für jegliche Umweltfaktoren artspezifisch mehr oder weniger große Toleranzen. Aus dem Umstand, dass eine Fischart in der Natur in weichem (und womöglich dabei auch saurem) Wasser lebt, lässt sich nicht zwingend der Schluss ziehen, dass ein Wasser mit diesen Eigenschaften auch zur Haltung im Aquarium erforderlich ist. Das mag zwar in bestimmten Fällen zutreffen, in anderen aber wiederum nicht.

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