AquaRichtig gesammelter Unsinn über… Rechtsnormen für die Haltung von Aquarienfischen

Zu den in Deutschland geltenden Rechtsnormen für die Haltung von Aquarienfischen hat man bei AquaRichtig ebenfalls spezielle Ansichten. AquaRichtig spricht von einem Tierschutz Gesetz für die Haltung von Zierfischen[1] und in diesem Tierschutzgesetz, auch für Zierfische seien Haltungs-Bedingungen […] klar geregelt[2]. Im Beitrag Leitungs-Wasser eine Gefahr für das Aquarium und die Fische führt man dazu folgendermaßen aus:

„[…]Zierfische [werden] zu schätzungsweise 80% in Aquarien gehalten die ihrem Anspruch nicht gerecht werden und dem Tierschutzgesetz für die Haltung exotischer Fische teilweise eklatant widersprechen. Das Tierschutzgesetz beinhaltet nur geringe Toleranzen für die Haltung von Zierfischen in Bezug auf pH-Wert, Härte, Leitwert und Aquariengrößen für die jeweiligen Arten“.

Das Tierschutzgesetz macht aber überhaupt keine konkreten Angaben zu chemischen Wasserparametern, Behältergrößen oder der Temperatur, weder spezifisch noch generell. Lediglich §2 TschG äußert sich ganz allgemein zu den Anforderungen an Tierhaltung und -halter generell:

„Wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat,

  1. muss das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  2. darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden,
  3. muss über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen“.

AquaRichtig verweist auch gar nicht auf das Tierschutzgesetz (TschG), sondern auf den tabellarischen Teil des „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Zierfischen (Süßwasser)“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Es handelt sich folglich nicht um ein Gesetz, sondern um ein – mittlerweile 20 Jahre altes – Gutachten. Das Gutachten ist zudem nicht rechtsverbindlich, was aus dem Kommentar des BMEL auch ausdrücklich hervorgeht:

„Die Gutachten / Leitlinien sind zwar nicht rechtsverbindlich, sie unterstützen aber Tierhalter, zuständige Behörden und Gerichte bei der Entscheidung, ob eine Tierhaltung den Vorschriften des Gesetzes entspricht“.

Wie gering sind nun die Toleranzen im Gutachten für den pH-wert und die Wasserhärte bei Weichwasserfischen? Als Paradebiespiel für den klassischen Weichwasserfisch wird seitens AquaRichtig mehrfach der Rote Neonsalmler, Paracheirodon axelrodi genannt. Welche Grenzwerte setzt das Gutachen also beim Roten Neon? In der anhängige Tabelle des Gutachtens wird für den Roten Neon der pH-Wert-Bereich I–II) = pH 5,0 – 7,5 festgelegt. Für die Wasserhärte fordert das Gutachten den Härtebereich I ohne Abweichung nach oben, was einer Gesamthärte von 15° GH (zudem darf die Wasserhärte nicht wesentlich (3 dGH) über- oder unterschritten werden) entspricht. Da weiterhin für die dauerhafte Pflege mittlere Werte anzustreben sind, sollte der pH-Wert zur Pflege von Paracheirodon axelrodi also um 6 und die Wasserhärte um etwa 10°d GH liegen. Die von AquaRichtig vertretene und mit den geltenden Rechtsnormen untermauerte restriktive Forderung nach sehr weichem, saurem Wasser spiegelt sich also im Gutachten nicht wieder. Grenzwerte für die elektrische Leitfähigkeit nennt das Gutachten – im Widerspruch zu aquarichtigschen Behauptung – übrigens nicht. Der Begriff kommt im Gutachten nicht einmal vor.

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