AquaRichtigs gesammelter Unsinn über…
Chlorid im Süßwasseraquarium

Auch zu Chlorid im Süßwasseraquarium hat man bei AquaRichtig eigenwillige Ansichten. Im Folgenden werde ich im Laufe der Zeit die unterschiedlichen Ansichten von AquaRichtig zu Chlorid im Süßwasseraquarium erörtern.

Anstieg der Chlorid-Konzentration durch Entcarbonisierung mit Salzsäure

Bei AquaRichtig ist man offenbar der Auffassung, dass meine Aussage:

„Senkt man die Karbonathärte um 1°d KH (0,36 mmol/l HCO3) mit Salzsäure, steigt die Chlorid-Konzentration um 0,36 mmol/l oder 12,8 mg/l“.

und die aquarichtigsche Äußerung:

„Chlorid verunreinigt das Aquarienwasser welches damit angereichert wird. Eine Senkung der KH um ein Grad mit Salzsäure bringt ca. 15 mg/l Chlorid mit entsprechender Erhöhung der Leitfähigkeit in das Wasser“.

[Glaubwürdigkeit von Dennis Furmanek, Entlarvung einer Lüge auf www.aquarichtiger.de]

den gleichen Aussagegehalt haben oder schlicht gleich sind. Es ist jedoch ein gewaltiger Unterschied, ob lediglich die Tatsache des Anstiegs der Chlorid-Konzentration beschrieben oder in einem Atemzug Chlorid im Wasser auch gleich noch als Verunreinigung diffamiert wird. Hinreichende sachliche Anknüpfungspunkte gibt es dafür nämlich nicht. Denn ich denke nicht, dass man den Begriff hier im bloßen technischen Sinn verwendet, sondern damit auch negative Auswirkungen auf die Wasserqualität und damit die Aquarienbewohner konnotiert.

Zumal es sich hier um ein schönes Beispiel handelt, dass die nur geringe Aussagekraft der elektrischen Leitfähigkeit als alleinigem physikalisch-chemischen Parameter zur Beurteilung der Wasserqualität demonstriert. Denn die elektrische Leitfähigkeit steigt, obwohl nicht mehr Salze im Wasser gelöst sind, sondern – stöchiometrisch betrachtet – nur andere. Calciumhydrogencarbonat wird äquimolar durch Calciumchlorid ersetzt, die Summe der gelösten Teilchen ist aber gleich geblieben. Die große Aussagekraft, die man der elektrischen Leitfähigkeit bei AquaRichtig beimisst, ist damit ebenfalls ohne hinreichende tatsächliche Anknüpfungspunkte. Schon gar nicht erlaubt die elektrische Leitfähigkeit eine Aussage darüber, ob ein Wasser (für den Geltungsbereich Süßwasser) gesund oder schädlich ist.

Nachtrag vom 17.03.2020

AquaRichtig erwidert zu obigen Ausführungen:

„Ob 12,8 mg oder ca. 15 mg/l Chlorid, wie von uns geschrieben ist völlig unerheblich, denn es ist ein Unterschied ob mit 30 oder 33 prozentiger Salzsäure entkarbonisiert wird“.

Ist es nun völlig unerheblich oder ist es doch ein Unterschied? Möchte man bei AquaRichtig ernsthaft behaupten, dass es bei der Anwendung von 30%iger Salzsäure zu einem Anstieg der Chlorid-Konzentration um 12,8 mg/l kommt, bei 33%iger Salzsäure aber zu einem Anstieg von 15 mg/l? Pro 1 Grad Senkung der Karbonathärte wohlgemerkt!. Vermutlich soll sich dann wohl auch noch die Stoffmenge an Hydrogencarbonat pro Grad Karbonathärte entsprechend ändern? Ob die Chlorid-Konzentration nun um 12,8 oder 15 mg/l steigt, ist aber tatsächlich unerheblich und damit geschenkt.

Der einzige tatsächliche Unterschied besteht in der Konzentration. Mit steigender Konzentration sinkt somit das Volumen an Salzsäure, welches benötigt wird, um die erforderliche Stoffmenge an HCl aufzubringen, um eine bestimmte Stoffmenge Hydrogencarbonat umzusetzen. Um die Karbonathärte um 1 °dKH oder die Konzentration um 0,36 Millimol Hydrogencarbonat pro Liter zu senken, werden aber immer 0,36 Millimol H+-Ionen und die equvalente Stoffmenge Salzsäure pro Liter aufzubereitendem Wasser benötigt.

  • 1 Milliliter einer 30%igen Salzsäure enthält etwas 9,5 Millimol HCl, respektive entspricht einer Stoffmenge von etwa 9,5 Millimol H+– und etwa 9,5 Millimol Cl-Ionen.
  • 1 Milliliter einer 33%igen Salzsäure enthält etwa 10,5 Millimol HCl, respektive entspricht etwa einer Stoffmenge von 10,5 Millimol H+– und 10,5 Millimol Cl-Ionen.

Es wird also ein etwas kleineres Volumen einer 33%igen Salzsäure als einer 30%igen Salzsäure benötigt, um eine Stoffmenge von beispielsweise 10 Millimol HCl respektive H+– und Cl-Ionen zu enthalten. Entweder benötigt man also etwas weniger als einen Milliliter Salzsäure für die 10 Millimol oder aber etwas mehr. In beiden Fällen werden aber 10 Millimol Hydrogencarbonat umgesetzt, womit in 10 Litern Wasser die Karbonathärte um gut 3 °dKH gesenkt wird, in 100 Litern entsprechend um gut 0,3 °dKH. Die Chlorid-Konzentration steigt entsprechend um etwa 38 beziehungsweise 3,8 mg/l.

AquaRichtig führt fort:

„Eine Entkarbonisierung von nur 5 Grad bringt also schon alleine 64 mg/l Chlorid, welches im Grunde ein Spurenelement für Pflanzen ist in das Wasser“.

Dies ist zumindest unstreitig. Streitig ist aber die von AquaRichtig aufgestellte Behauptung[], dass das Wachstum von tropischen Wasserpflanzen […] ab einem [Chlorid-]Gehalt von 50 mg/l [stagniert] und ab 100 mg/l die Pflanzen [absterben und matschig werden]. Das mag zwar vielleicht auf einzelne wenige, sehr sensible Arten zutreffen, aber wahrscheinlich nicht für die Breite der Wasserpflanzenarten.

Ansonsten darf man bei AquaRichtig gern tonnenweise Evidenz präsentieren, die diese Behauptung substantiiert. Dies wäre zudem die nächste steile These von AquaRichtig gewesen, die ich hier erörtert hätte. Jetzt ist der Ball aber zunächst in der aquarichtigschen Spielfeldhälfte. Also, Bühne frei. Ihr Auftritt, bitte.

Erneut der Hinweis: Die vermeintliche Chlorid-Problematik greift als Argument ausschließlich gegen die Entcarbonisierung mit Salzsäure. Bei anderen Mineralsäuren verfängt das Argument der steigenden Chlorid-Konzentration also nicht. Dann nimmt man halt alternativ Schwefelsäure her. Salpeter- oder Phosphorsäure halte ich aufgrund der Düngewirkung ihrer Salze höchstens für spezielle Einzelfälle geeignet.

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