AquaRichtig und …
der Interpretationsvorbehalt

AquaRichtig echauffiert sich wiederholt darüber, ich würde ungesagtes oder nie gesagtes unterstellen. Es mag sein, dass man bei AquaRichtig tatsächlich nicht beabsichtigt hat, sich so auszudrücken, wie man es getan hat. Intendierte und tatsächlich getätigte Äußerung weichen somit in ihrem Aussagegehalt voneinander ab. Das ist aber kaum dem Leser anzulasten.

Dabei sind die Äußerungen immer im Gesamtzusammenhang einzuordnen. Zum Gesamtzusammenhang gehören aber nicht nur die Textinformationen im bestreffenden Text selbst, sondern auch außertextliche Informationen, wie die tatsächlichen Eigenschaften des gegenständlichen Sachverhalts.

Somit sind beispielsweise AquaRichtigs Aussagen zum Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht daher immer auch im Hinblick auf die Sachverhaltswirklichkeit des Kalk-Kohlensäure-Gleichgewichts einzuordnen. Wenn man bei AquaRichtig also schreibt, dass CO2 […] bei pH Werten über 7,0 […] an die Karbonate, als sogenanntes Gleichgewichts CO2 gebunden[] vorliegt, ergibt sich folgendes Problem: Das Kalk-Kohlensäure-Gleichgewicht (KKG) kennt die Begriffe Gleichgewichtskohlensäure und gebundene Kohlensäure. Die Gleichgewichtskohlensäure ist der Anteil des im Wasser gelösten Kohlendioxid CO2 samt der assoziierten Kohlensäure H2CO3, der erforderlich ist, um eine bestimmte Konzentration Erdalkali(Hydrogen)carbonate in Lösung zu halten. Die gebundene Kohlensäure meint die im Wasser gelösten Hydrogencarbonat- (HCO3) und Carbonat-Anionen (CO32-). Die Formulierungen An die Karbonate […] gebundenes Kohlendioxid und Gleichgewichts CO2 beschreiben im Hinblick auf die Begrifflichkeiten des KKG folglich zwei unterschiedliche Entitäten, nämlich ersteres die gebundene Kohlensäure und letzteres die Gleichgewichtskohlensäure. Bei AquaRichtig werden – in Anbetracht der Diskrepanz von Wortlaut und tatsächlicher Terminologie des KKG – diese Begriffe also offenbar vermengt. Es ist nämlich unklar, ob nun mit der Formulierung An die Karbonate […] gebundenes Kohlendioxid die gebundene Kohlensäure gemeint ist, diese identisch sein soll mit der Gleichgewichtskohlensäure oder nicht oder ob man mit dem sogenannten Gleichgewichts CO2 nun tatsächlich die Gleichgewichtskohlensäure meint oder nicht oder ob man beide Begriffe vermengt. Defacto sind Gleichgewichts CO2 (Gleichgewichtskohlensäure) und An die Karbonate […] gebundenes Kohlendioxid (gebundene Kohlensäure) nämlich nicht bedeutungsgleich. Damit ergibt entweder die gesamte Ausführung keinen Sinn oder nur dann, wenn man beide Formulierungen beziehungsweise Begriffe als bedeutungsgleich oder synonym annimmt. Was sie aber gerade tatsächlich nicht sind, der Formulierung nach (sogenannte) aber wären.

Da es AquaRichtig – wie an vorherigem Beispiel demonstriert – jedoch regelmäßig nicht gelingt, sich unmissverständlich auszudrücken, muss eine Interpretation der Äußerungen hingenommen werden. Schon allein deshalb, damit sie irgendwie Sinn ergeben. Es besteht kein Anspruch darauf, dass eine Äußerung nur so verstanden wird, wie sie gemeint war beziehungsweise darauf, dass der Leser es unterlässt, selbige zu interpretieren. Sofern die referenzierten Äußerungen in ihrem Gesamtzusammenhang nachvollziehbare tatsächliche Anknüpfungspunkte für die Interpretation bieten, ist daran nichts auszusetzen. Herangezerrte, willkürliche und sachfremde Interpretationen sind folglich aber unzulässig. Nicht sachfremd ist beispielsweise der Verweis auf Widersprüchlichkeit mehrer Äußerungen zum selben Sachverhalt, mitunter sogar im selben Text. Zumindest, sofern diese gleichwertig den aktuellen Kenntnisstand beziehungsweise die aktuelle Überzeugung repräsentieren sollen.

Sofern die Interpretation einer fremden Äußerung dann auch durch geeignete sprachliche Mittel (z. B. offenbar, vermutlich, nach meinem Dafürhalten, interpretiere das soundso etc.) als solche für den Leser erkennbar ist, ist daran auch nicht zu rütteln. Bei AquaRichtig vermengt man jedoch regelmäßig fremde tatsächliche Äußerungen mit der eigenen Interpretation selbiger. Der Leser gewinnt daher den Eindruck, die betreffende Person hätte sich tatsächlich zumindest sinngemäß derart geäußert. Dabei stellt sich regelmäßig heraus, dass der Aussagegehalt sich im Original mitunter diametral zur aquarichtigsten Darstellung liest oder die Zusammenhänge zumindest entstellt wiedergegeben werden. Ich behaupte nicht, dass dies vorsätzlich geschieht, vermutlich liegt es lediglich am mangelnden Sprachbewusstsein.

In der aquarichtigschen Darstellung kommen dann Konstrukte wie mein angeblich anionentauschendes Zeolith oder Spaltöffnungen bei rein submersen Wasserpflanzen dabei heraus. Es gibt zwar Äußerungen, an die AquaRichtig damit angeknüpft. Diese sagen jedoch etwas gänzlich anderes aus, als von AquaRichtig dargestellt. Wenn man bei AquaRichtig also zumindest die betreffende Äußerung im Originalwortlaut zitiert, auf den betreffenden Beitrag verweist, die eigene Interpretationen als solche eindeutig erkenntlich macht und die Anknüpfungspunkte für diese verdeutlicht, wäre das schon ein Fortschritt. Bitte Zitate auf das Notwendige beschränken und nicht den halben Text drumherum mitzitieren, Links kann man zudem übrigens auch ganz toll als Textlink hinterlegen und nicht als kilometerlange URL, das macht die Darstellung unübersichtlich. Ganz toll wäre es, wenn Zitate durch entsprechende Formatierung aus dem Fließtext hervorgehoben und damit eindeutig als solche erkenntlich wären. Das bekomme sogar ich als Nichtskönner mit meinem beschränkten Intellekt und Horizont hin.

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